Zur Hauptversammlung der Deutschen Bank in Frankfurt/M, 18.05.2017 


 

 

Sehr geehrte Gastgeber, sehr geehrte Gäste dieser Hauptversammlung, 


 

als Mitglied der IOF, der "Initiative Ordensleute für den Frieden", spreche ich heute für 
den Dachverband der Kritischen Aktionäre, dem die IOF angehört.


 

Sie sind heute Morgen mit der ins Mark gehenden, plakativen Aussage begrüßt worden 


 

"Diese Wirtschaft tötet - auch mit deinem Geld". 


Der erste Teil dieser Botschaft entstammt dem päpstlichen Lehrschreiben "Evangelii Gau- 
dium" (27.11.13). Die IOF hat seit über 1/4 Jahrhundert vor Ihrer Bank protestiert:


"Unser Wirtschaftssystem geht über Leichen."


 

Bisher hat es weder von Seiten der  Politik noch von Seiten der Wirtschaft Andeutungen 
einer Widerlegung gegeben oder gar eine gerichtliche "Einstweilige Verfügung". Beide 

 

 

Thesen dürfen wir also getrost als verifiziert und akzeptiert ansehen. 


 

 

Beim zweiten Teil der heutigen Aussage werden einige von Ihnen zu schlucken gehabt ha- 
ben, die Sie Ihr persönliches, als blütenweiß betrachtetes Geld in diese Bank gesteckt ha- 

ben. Doch damit sind unstrittig Machenschaften finanziert worden, die nicht nur inakzep- 
tabel, wie Sie, Herr Cryan, es öffentlich eingestanden haben, sondern so kriminell gewe- 

sen sind, dass deren negative Auswirkungen auf Bonität und Geschäftstätigkeit nur mit 
Hilfe von Gerichten und massiven Strafzahlungen haben eingedämmt werden können. 

 

 

Dieses mind. 10 Jahre alte Dunkel-Kapitel der Bank ist wohl noch nicht zu Ende. 


 

 

 

 

Die Baden-Württemberger unter Ihnen werden auf Anhieb die weit verbreitete Devise der 
Schwaben verstehen, die ganz in deren Sinne ultra-kurz gefasst ist: 


 

 

"Nix gsagt is gnug globt." – 


Wenn man nichts sagt, ist das genug des Lobs. Ich halte nichts von dieser Devise und        
möchte ich Ihnen danken, Herr Cryan, dass Sie sich als Nicht-Deutscher der Misere, der 

Beinahe-Katastrophe dieser Bank so mutig angenommen haben. Sie haben bisher der Ver- 
führung der Politik Ihres Landes widerstanden, sich der harten Arbeit in der Bank durch 

einen Cryan-Exit, einen Crexit zu entziehen. Deutlich unterscheiden sich Ihre Maßnah- 
men von jenem modus agendi Ihrer beiden Vorgänger, die alleine in der Ankündigung ei- 

 

 

ner neuen Geschäftskultur einen neuen, besseren Kurs gesehen haben wollten. Deutlich 
haben Sie einige Missstände und deren verheerende Wirkungen beim Namen genannt. 


 

 

Angesichts der immer noch mit Sinnsuche beschäftigten Bank haben Sie sich für 2016 mit 
einem Gehalt von "nur" € 3,8 Mio abgefunden und wie Ihre Vorstandskollegen auf alle 

Boni verzichtet. Ihre Vorgänger im Amt mochten sich ja nur mit 2-stelligen Millionenbe- 
trägen zufrieden geben. Immerhin gibt es jetzt in der Bank eine Gehaltsobergrenze, fast 

 

 

schamhaft kurz vor der Zweistelligkeit, nämlich bei 9,85 Millionen € je Vorstand. 


 

1. Frage: Werden Sie im Sinne der zugestandenen Transparenz zukünftig die Aktionärin- 
nen, Aktionäre, Kundinnen und Kunden der Bank über die Bestandteile des Salärs min- 

 

 

destens der Vorstände informieren, also über Fixum, Boni und Alterssicherung? 


 


Der neue US-Präsident Trump (Reuters, 09.06.16) leiht sich am liebsten Geld bei der 
Deutschen Bank. Diese ist seit 1998 an Krediten über mind. 2,5 MRD € für Projekte sei- 

ner diversen Firmen beteiligt. Seit 2008 kämpft die Bank mit Trump vor Gericht um die 
Rückzahlung eines Immobilien-Darlehens. Diese inzwischen wohl als windig zu bezeich- 

nende Geschäftsbeziehung wird auch für die Bank zum Problem – das Risiko für deren 
stark angekratzten Ruf und für deren juristische Integrität ist einfach zu hoch. Daher ist 

die Bank als eine der größten Gläubiger des Trump'schen Imperiums derzeit mit der Re- 
Strukturierung der Trump-Kredite beschäftigt, mit einer Umschuldung von einer persön- 

 

 

lich von Trump garantierten, billigen zu einer teuren, reinen Immobilienfinanzierung. 


 

 

 

2. Frage: Werden Sie diese bankinterne Interessenkollision schnellstens beseitigen und 
sich in Zukunft erst gar nicht auf solche dubiosen Geschäfte einlassen? 


 

 

 

 

Sehr zu begrüßen ist es, dass Sie, Herr Cryan, vor kurzem klar gegen Trumps neue Einrei- 
sepolitik Stellung bezogen haben. Ihre politische Bewertung macht jedenfalls deutlich: 


 

 

"Wir sind absolut überzeugt von Gleichheit, Inklusion und Freizügigkeit" 


(Reuters, 02.02.17). Inklusion verlangt eine grundsätzlich gleiche Wertschätzung aller 
Menschen. Sie beruht auf der Unantastbarkeit der menschlichen Würde. In erster Linie 

werden Sie an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihrer Bank gedacht haben, doch Ihre 
Aussage ist fast buchstabengetreu identisch mit der Losung der Französischen Revolution 

 

 

(1789) und dem Wahlspruch der heutigen französischen Republik: 


 

 

"Liberté, Égalité, Fraternité – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. 


 

 

3. Frage: Weiß sich die Deutsche Bank wirklich diesen Werten gegenüber der Gesell- 
schaft verpflichtet, in deren Mitte sie ja gerne wäre? 


 

 

Gemäß Pressemeldung vom 07.02.17 ist der Israel-Chef der Deutschen Bank vorüberge- 
hend festgenommen worden, weil er es mit dem israelischen Steuerrecht nicht so genau 

 

 

genommen hat. Da ist Ihre Devise, Herr Cryan, dass sich die Bank nicht mehr auf dubiose 
Geschäfte einlassen wird, wohl noch nicht in allen Niederlassungen angekommen. 


 

4. Frage: Werden Sie, ähnlich wie bei der Trump'schen Einreisepolitik, deutlich Stellung 
beziehen und Ihre Bankbeziehungen zu Israel vollständig von allem reinigen, was irgend- 

 

 

wie die seit 50 Jahren total widerrechtliche Besatzung palästinensischer Gebiete etwa 
durch festungsähnlich erstellte und gesicherte Siedlungen aufrecht erhält und stärkt? 


 

 

Zumindest die etwas Älteren unter Ihnen werden sich an Wolfgang Borchert erinnern, der 
uns 1947 sein eindringliches Gedicht "Dann gibt es nur eins!" zur Mahnung und Ermuti- 

 

 

gung geschenkt hat. In Anlehnung an sein Gedicht würde er wohl heute fordern: 


 

 

"Du. Vorstand einer Bank. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst statt friedlicher 
Produkte für kriegerische Einsätze die Finanzierung von Waffen und Munition betrei- 

 

ben, dann gibt es nur eins: Sag NEIN!" 


 

 

 

In der von Facing Finance und urgewald im vorigen Jahr erstellten Studie "Die Waffen 
meiner Bank" heißt es gemäß der ZEIT-Online-Meldung vom 08.04.16: 


 

 

"Die Deutsche Bank kennt kaum Skrupel und unterhält zu fast allen großen Rüstungs- 
konzernen Geschäftsbeziehungen. Dazu zählen auch … größte Waffenhersteller, die al- 

 

lesamt in die Herstellung von Atomwaffensystemen verstrickt sind und Rüstungsgüter 
in Krisengebiete exportieren oder an Staaten liefern, die Menschenrechte missachten." 


 

Wenn die Deutsche Bank es wirklich ernst meint mit ihrer für Transparenz sorgenden Ge- 
schäftsführung, dann muss sie klipp und klar aus dem Rüstungsgeschäft aussteigen. Ge- 

 

 

mäß einer repräsentativen Umfrage (2013) würden 61% der Befragten die Bank wechseln, 
wenn sie um deren Finanzierung von Rüstung und Waffen wüssten. 


 

 

 

5. Frage: Kann die Deutsche Bank glaubwürdig versichern, dass sie für die Herstellung 
und den Export militärischer Produkte keine finanziellen Mittel mehr bereitstellt? 


 

 

 

 

Angesichts der Mehrheitsverhältnisse müsste die Deutsche Bank ähnlich wie bei den 
Trump-Krediten eine weitere, noch skandalösere Interessenkollision beseitigen: 


 

Die katarische Herrscherfamilie ist mit ihrem 10%-Anteil bisher der größte Aktionär der 
Bank. Von ihr mitfinanziert (Die ZEIT, 08.04.16) liefern deutsche Rüstungsunternehmen  

 

62 schwere Leopard-Kampfpanzer und 24 Panzerhaubitzen an das massiv Menschenrech- 
te verletzende Golf-Emirat Katar: Diese Wirtschaft tötet auch mit Ihrer aller Geld! 


 

 

6. Frage: Was wird die Bank tun, dass aus dieser mehr als dubiosen Verbindung zum 
Golf-Emirat Katar kein Katarrh, also keine gefährliche Entzündung wird? 


 

 

Das Ringen um einen neuen Slogan wirft die Frage nach dem redlichen Umgang mit der 
Sprache auf. In ganzseitigen Anzeigen großer Tageszeitungen haben Sie, Herr Cryan, im 

 

 

Namen des Vorstands sich für die Vergehen der Vergangenheit entschuldigt. Damit sind 
Sie als Brite auf die Fragwürdigkeit des deutschen Sprachgebrauchs reingefallen: 


 

Man kann sich nicht entschuldigen, man kann nur um Entschuldigung bitten, und dafür 
bedarf es eines Gegenüber, der von der Schuld freispricht. In Ihrer Muttersprache wird mit 

 

 

"I beg your pardon" das Gegenüber konkret in persona angesprochen. 


 

 

 

7. Frage: Können Sie als Vorstand begründet sagen, dass die Aktionärinnen und Aktio- 
näre Sie im obigen Sinne freigesprochen haben? 


 

 

Die Geschichte um die Postbank könnte man kurz mit "rin in die Kartoffeln, raus aus 
den Kartoffeln" bezeichnen, was ebenso auf die wieder rückgängig zu machende Spar- 

 

 

tentrennung zwischen Geschäftsfinanzierung und Kapitalmarktgeschäft zutrifft. 


 

 

 

8. Frage: Wann werden Sie Konzepte mit längerer Halbwertzeit als nur 1 Jahr vorlegen? 


 

 

 

 

Wenn demnächst die blaue Deutsche Bank sich mit der gelben Postbank verschmelzen 
will, dann verrät die Farbenlehre, dass aus der Mischung von blau und gelb grün wird. 


 

 

 

9. Frage: Könnte nicht die "Grüne Bank" eine Programmatik enthalten, die die Deutsche 
Bank globalisierend auf einen wirklich neuen, nachhaltigen Kurs bringt? 


 

 

 

 

Nutzen Sie den verkündeten Ausstieg aus der Kohlestrom-Produktion als steile Vorlage 
für die dringende Abkehr von der Brandrodung von Regenwäldern für Palmöl! 


 

 

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit, werte Gäste, bitte die Verantwortlichen, lebens- 
freundliche Entscheidungen zur guten Besserung des kranken Patienten zu fällen und 

 

 

kann der evtl. neuen, evtl. "grünen" Bank nur herzlich wünschen : Glück auf! 


 

 

 

 

 

Antworten von Herrn Cryan:

 

Zur Frage 4:

Cryan: […] Sehr geehrter Herr Rinneberg. Sie erkundigten sich nach unserem Umgang mit Menschenrechten im Hinblick auf Israel. Lassen Sie mich zunächst ganz klar sagen: Menschenrechte sind die Grundlage unseres Zusammenlebens. Sie sind für uns nicht verhandelbar und gelten für alle Aktivitäten unserer Bank. Dazu haben wir uns auch mit unserer formalen Erklärung zu den Menschenrechten bekannt. Israel ist eins von 70 Ländern, in denen wir aktiv sind. Das können Sie im Geschäftsbericht nachlesen. Hier wie in allen Ländern gilt, dass wir vor Abschluss einer Transaktion stets prüfen, ob die Menschenrechte eingehalten werden. 

Zur Frage 9:
Herr Rinneberg, Sie hatten eine Frage zur Deutschen Bank als „grüne Bank“ gestellt. Das Thema Nachhaltigkeit ist für uns sehr wichtig. Ich hatte das in der Frage von Herrn Dr. Hirt bereits ausgeführt. Wir wollen unsere Aktivitäten in diesem Bereich weiter ausbauen. Lassen Sie mich ein paar Beispiele aus dem Jahr 2016 ausführen: Als erste Geschäftsbank weltweit erhielt die Deutsche Bank die Akkreditierung für den Grünen Klimafonds der Vereinten Nationen. In 2016 stellte die Deutsche Bank Finanzmittel über etwa 3,9 Milliarden Euro für Projekte im Bereich erneuerbarer Energien zur Verfügung. Wir zählen damit zu den führenden privatwirtschaftlichen Projektfinanzieren für erneuerbare Energien in Europa. […]

Zur Frage 8:
Herr Rinneberg, Sie fragten nach der Halbwertzeit unserer Strategie. Mit unserem Strategie-Update im März haben wir die strategischen Ziele der im Oktober 2015 verkündeten Strategie 2020 bestätigt: einfacher und effizienter, weniger Risiken, besser kapitalisiert und disziplinierter in der Umsetzung zu sein. Seit der Bekanntgabe haben wir signifikanten Fortschritt bei der Umsetzung dieser Ziele erreicht. Gleichwohl müssen wir uns stets fragen, wie wir diese Ziele vor dem Hinter-grund sich verändernder Markt- und regulatorischer Gegebenheiten bestmöglich erreichen. Daher haben wir mit unserem Strategie-Update im März einzelne Maßnahmen zur Zielerreichung angepasst. Dies beinhaltet unter anderem den Verbleib der Postbank in der Deutsche-BankGruppe. Die Gründe dafür hatte ich bei früheren Antworten bereits gegeben. […]

Zur Frage 3:
Sehr geehrter Herr Rinneberg, Sie fragten danach, wie wir uns für gesellschaftliche Werte einsetzen. In unserem Newsletter „3D“, der auch auf dieser Hauptversammlung ausliegt, finden Sie viele Beiträge und Informationen über unser gesellschaftliches Engagement insgesamt. Wir fühlen uns den Werten, die Sie genannt haben, sehr verpflichtet. Wenn wir eine bessere Deutsche Bank sein wollen, müssen wir das leben, was wir sagen. Deshalb ist uns auch der Dialog mit Ihnen, also mit den Vertretern der Nichtregierungsorganisationen und anderen Gruppen, so wichtig. Wir prüfen beispielsweise auf vielen Feldern sorgfältig, wie nachhaltig wir tatsächlich arbeiten und wie gut wir unsere selbst gesetzten Standards einhalten. Dazu haben wir heute schon einige Beispiele gegeben. […]

Zur Frage 5:
Cryan: Sehr geehrter Herr Rinneberg, Sie wollten im Zusammenhang mit Rüstungsgeschäften wissen, was die Deutsche Bank tut, damit sich die Beteiligung des Emirats Katar nicht negativ auf die Bank auswirkt. Nach den Richtlinien der Deutschen Bank werden alle Anfragen zu Rüstungsgeschäften einzelfallbezogen einer strengen Prüfung unterzogen und in vollem Einklang mit den Exportbeschränkungen der Bundesregierung entschieden. Die Deutsche Bank berücksichtigt nationale Vorgaben und folgt allen erforderlichen Genehmigungsprozessen für Rüstungsgeschäfte. Im Übrigen informiert sich die Bank anhand seriöser Quellen im Einzelfall über die aktuelle Lage in den betreffenden Ländern. Im Zweifel wird ein Geschäft letztlich nicht begleitet.

 

 

 

 

Leserbrief

 

Leserbrief von Gregor Böckermann, Sprecher der „Ordensleute für den Frieden“, erschienen am 24.05.20127 inder „Frankfurter Rundschau“.

 

Bei der diesjährigen Hauptversammlung der Deutschen Bank strömten wesentlich weniger Aktionäre in die Festhalle Frankfurt als in den vergangenen Jahren. Warum?

- Weil das globalisierungskritische Netzwerk ATTAC gegen 500 Niederlassungen der Deutschen Bank in Steueroasen protestierte, und entgegen der eigenen Aussagen der Bank von einem Kulturwandel kaum etwas zu erkennen sei?

- Weil die "Ordensleute für den Frieden" mit ihrer Mahnwache: "Diese Wirtschaft tötet - auch mit deinem Geld" an das Gewissen der Aktionäre appellierten, ob sie die zum Teil kriminellen Machenschaften der Deutschen Bank weiter mit ihrem Geld unterstützen wollen.

- Oder ganz profan, weil die Bank nicht mehr die RMV-Tickets und die Parkplätze bezuschusste?

 

 

 

 

 

 

 

 

Rede von Christoph Rinneberg (Ordensleute für den Frieden) auf der Jahreshauptversammlung der Deutschen Bank am 18.Mai 2017 in Frankfurt

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Boris Roessler/dpa

 

Bericht "Junge Welt" 19.05.2017

 

Donnerstag früh, 8.30 Uhr, vor Beginn der Hauptversammlung der Deutschen Bank: Auf dem Vorplatz der Festhalle der Frankfurter Messe mussten Anleger und Banker sich am Portal des pompösen Baus durch die Demonstranten drängen.

Protestler fütterten einen gefräßigen Briefkasten mit Geldscheinen, der Firmen in Steueroasen symbolisieren sollte. »Das größte deutsche Finanz­institut bildet weiterhin einen Knotenpunkt für illegitime Finanzströme und nutzt seine Niederlassungen in Schattenfinanzplätzen, um eigene Steuerzahlungen zu drücken oder seinen Kunden bei Steuerhinterziehung und Geldwäsche zu helfen«, sagte Tim Büttner vom globalisierungskritischen Netzwerk ATTAC. Wie aus dem Jahresbericht 2016 hervorgehe, unterhalte die Deutsche Bank weltweit etwa 500 Niederlassungen in Steueroasen. Das seien 40 Prozent all ihrer Tochterunternehmen. »Diese erlauben es ihr, Gewinne in großem Maßstab in Niedrigsteuerländer zu verschieben.« 2015 habe sie beispielsweise in Luxemburg einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro verbucht – bei globalen Verlusten von 6,1 Milliarden Euro.
Immer wieder investiere das Geldhaus in Firmen, die Palmölplantagen fördern und den Regenwald zerstören, erklärte Lisa Lehmann von Campact. Fast 176.000 Aktivisten haben eine Petition im Internet dagegen unterzeichnet. »Die Deutsche Bank finanziert Rodungen in Indonesien. Appellieren Sie an den Chef der Deutschen Bank AG, John Cryan, Investitionen in diese Zerstörung zu stoppen!« forderten Vertreter des Onlinenetzwerks. Auch die Initiative der »Ordensleute für den Frieden« (IOF) reihte sich in die Proteste ein. Entstanden ist der Zusammenschluss 1983 im Protest gegen die Stationierung von Pershing- und Cruise-Missile-Raketen im Hunsrück. Die Aktivisten zeigten ein Plakat mit der Aufschrift: »Dieser Kapitalismus geht über Leichen.« Länger als 30 Jahre kämpfen sie bereits gegen die Finanzhaie. Mal rüttelten sie an den Toren der Deutschen Bank, mal ketteten sie sich in der Tiefgarage an, um den Zugang zur Hauptversammlung zu blockieren. Sie kippten Gülle vor den Bankenturm, um zu verdeutlichen: »Geld stinkt«. Gestern lautete ihr Motto: »Die Wirtschaft tötet – auch mit deinem Geld.« Er habe lernen müssen, dass es nicht reiche, nur für Afrika Schuldenstreichung zu fordern, auch hierzulande seien drei Millionen Haushalte verschuldet, sagte Ordensmann Gregor Böckermann. Spannungen zwischen Arm und Reich spitzten sich weiter zu.

In der Halle erklärte der Vorstandsvorsitzende John Cryan, anhängige Strafen begleichen zu wollen. »Auch wenn es weitere offene Fälle gibt: Wir gehen davon aus, dass wir das Schlimmste hinter uns haben«, sagte er. Am Vorabend der Finanzkrise hatte der Aktienwert noch die 100-Euro-Marke geknackt, gestern mittag lag er bei 16,70 Euro. Für die Manipulation des in London gehandelten Referenzzinssatzes Libor, zu dem sich private Banken untereinander Geld verleihen, und Geldwäschegeschäfte in Russland hat die Deutsche Bank 2015 bereits 2,5 Milliarden Euro berappen müssen. Weitere 3,2 Milliarden Euro hat sie für anstehende Prozesskosten zurückgelegt.

Neben dem zur Wiederwahl anstehenden Chef des Aufsichtsrats, Paul Achleitner, bewarben sich neu der österreichische Google-Manager Gerhard Eschelbeck sowie der Wiener Fondsmanager Alexander Schütz für das Kontrollgremium. Achleitner wollte keine Verantwortung für die kriminellen Machenschaften des Geldhauses übernehmen. Den Vorwurf, die Aufsicht des Vorstands sei mangelhaft, wies er zurück. Er nannte es »unerträglich, mit welcher Leichtfertigkeit in der Öffentlichkeit Dinge behauptet werden und meine persönliche Integrität in Frage gestellt wird«.

Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sprach den Couponschneidern aus der Seele: »Wenn wir uns nicht endlich aufs Geldverdienen konzentrieren, wird das nichts mehr mit unserem Aktienkurs«, sagte er. Das Institut müsse die Sonderprüfungen endlich »abhaken«. Mit »dem Aufräumen« müsse nun Schluss sein, dies habe 30 Milliarden Euro gekostet Eine Aktionärin hatte zuvor den Antrag gestellt, die Rolle von Vorstand und Aufsichtsrat bei drei Skandalen nochmals aufklären zu lassen.

 

 

G 20 Treffen der Finanzminister am 17./18. März 23017 in Baden-Baden

Und die "Ordensleute für den Frieden" waren am Freitag beim Protest dabei.

 

 

 

 

Zur Sache Trump

 

Trump-Kritik

Leo Fischer findet, dass der neue US-Präsident die fleischgewordene Kapitalismuskritik ist:  Der Brutalste gewinnt.

 

 

 

 

 

 

 

Im Grunde ist die Welt jetzt wieder so eingerichtet, wie sie sich Kinder vorstellen.
Der reichste Mann der Welt ist ihr Chef. Er wohnt in einem riesengroßen Haus aus Gold, telefoniert den ganzen Tag und kommt abends im Fernsehen. Er hat die schönste Frau der Welt geheiratet und passt auf, dass uns die Bösen nichts wegnehmen. Außerdem ist er mit den Chefs der ganzen anderen Länder befreundet und lacht mit ihnen. Er ist oft mit dem Hub-schrauber unterwegs und bezahlt dem Papa sein Gehalt.
Letztlich ist es ein frühkapitalistisches ldyll, das die Figur Trump heraufbeschwört:
eine Welt, in der die Sphäre der Vermittlung, des Verfahrens, der Bürokratie, der Diskussion, des Meinungsstreits verschwunden ist. Kein Gerede, keine Formalie stört die gemeinschaft-liche Arbeit für das an sich Gute. Die Welt ist geordnet nach Kontoständen, und der Bissigste und Ehrgeizigste erhält neidlos Macht und Wohlstand. Es passt, dass Trumps Übergangsteam hunderte Posten in der Exekutive noch immer nicht neu besetzt hat: Die Idee der Verwaltung ist seinem charismatischen Herrschaftsansatz per se abhold. Verwaltung bedeutet hier Verzögerung, Unbestimmtheit, Unberechenbarkeit. Wer in den ersten Wochen etwas von seinem Team wollte, musste im Trump Tower anrufen, wurde gelegentlich sogar übergangslos zum Chef durchgestellt. Die charismatische Persönlichkeit kittet die Lücken, die Entfremdung in die Gesellschaft geschlagen hat. Schon jetzt hat Trump zahlreiche dieser Lücken offenbart - sein Instinkt, "loop-holes, Schlupflöcher in Wirtschaft und Justiz auszunutzen, hat ihn dafür prädestiniert.

 

 

 

In den Wochen des Übergangs stellten zahlreiche amerikanische Politjournalisten mit einer Mischung aus Überraschung und Entsetzen fest, dass die meisten Traditionen des Machtwechsels und der präsidentiellen Arbeitsweise keineswegs gesetzlich festgeschrieben sind, sondern eben nur das waren: Traditionen. Kein Paragraf sagt, dass der Präsident nicht nebenbei noch ein Milliardenunternehmen führen darf; Trumps Zugeständnisse in dieser Sache waren demgemäß nur formaler Art.
Eine Kultur kann Gesetze nicht ersetzen.
Auch in der Fantasie der Europäer, der Deutschen wird Trump zum Abziehbild
seiner selbst. Einerseits ist er das, was einmal als der "Onkel aus Amerika" durch die Witzbücher geisterte:
Bei ihm ist alles riesengroß, er hat das dickste Auto, die größte Zigarre und in jedem Zimmer einen Swimmingpool. Da bleibt dem Neffen in Europa nur neidvolles Staunen.
Zugleich wallt ein völlig gegenteiliger, nachgerade pädagogischer Gestus durch die Kommentarspalten:

 

 

 

Der Amerikaner ist hier wieder der leichtsinnige Jugendliche, der Schulhof-Rowdy, der beizeiten aus dem alten, weisen Europa belehrt werden muss. Mal hoffen die Leitartikel, das
System Washington oder die republikanische Partei würden Trump bald zügeln - und verkennen, dass Trump keinerlei Abhängigkeiten in diese Richtungen unterhält, sich bei niemandem politischen Kredit geholt hat. Er hat Partei und Apparat einfach überrollt - warum sollte er jetzt vor ihnen kuschen?

 

Andere glauben, die außen- und wirtschaftspolitischen Abhängigkeiten der USA würden den
Präsidenten schon noch einholen, als wären dies Kriterien, an denen Trump Erfolg misst. Im Zweifel wird es ihm immer um die Ratings, die Einschaltquoten, die Beliebtheit im eigenen Land gehen. Die Welt ist ein Nebenkriegsschauplatz.

 

 

Auf gewisse Weise kann man ihm dankbar sein: Mit Trump verschwinden all die Vermittlungsorgane, Politik, Staat und Verwaltung, die im Kapitalismus das Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschten zu verschleiern bestimmt sind. Die Milliardäre sind jetzt direkt am Ruder, rnüssen sich nicht mehr hinter Repräsentanten und Parteien verstecken.
Gleichzeitig spricht sein Sieg eine Wahrheit aus, die furchtbarer und ernüchternder nicht sein könnte: Der Brutalste und Gemeinste gelangt in dieser Lebensform immer an die Spitze, er muss weder nett noch schön noch schlau sein. Dass diese Wahrheiten jetzt so offenkundig auf
der Hand liegen, auf keine Weise mehr beschönigt werden können, das immerhin hat Trump schon jetzt geschafft. Er ist fleischgewordene Systemkritik, Vertreter des Systems und zugleich Verhöhnung dieses Systems. Er übernimmt den Job seiner Kritiker gleich mit. Dafür schon mal danke, Trump!

 

 

Erschienen in "Neues Deutschland" vom 21.01.2017
von Leo Fischer. Er war Chef des Nachrichtenmagazins "Titanic". In dieser Rubrik entsorgt er den liegen gelassenen Politikmüll.

 

 

 

Protestessen am 6. Oktober 20126 vor der Deutschen Bank in Frankfurt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehrere Kilo Kleingeld vor die Füße

- und die Friedenstrommler trommeln dazu

 

 

Am 19. Mai 2016 findet die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Bank statt. Während mehrere Tausend (Klein-) Aktionäre in die Festhalle-Messe in Frankfurt/M. einziehen, werden ihnen die

"Ordensleute für den Frieden"

mehrere Kilo Kleingeld vor die Füße werfen.

Warum?

- Nicht, weil wir für die Abschaffung der 1- und 2-Cent-Stücke plädieren.

- Nicht, weil wir "Helikoptergeld" fordern, die letzte Möglichkeit für Mario Draghi,doch noch Geld unter die Leute zu bringen.

- Und auch nicht, weil die Aktie der Deutschen Bank sich im freien Fall befindet.

 

Nein, wir protestieren mit dieser Aktion:

- Weil über 4000 Milliarden Euro Schwarzgeld, auch mit Hilfe der Deutschen Bank in Steuerparadiesen landen.

- Weil Wenige in Deutschland immer reicher und Viele immer ärmer werden.

- Und vor allem weil wir seit über 25 Jahren "Nein zum Götzen Kapital" sagen und jetzt mit Papst Franziskus: "Diese Wirtschaft tötet".

 

Deshalb haben wir uns entschlossen, dieses Geld, das wir seit einem Jahr als "Brot für die Bank" gesammelt haben, nicht "für einen guten Zweck" zu spenden, 

sondern für eine Protestaktion zu nutzen, die zum Nachdenken und zur Umkehr anregen soll.

Wir laden herzlich ein:

 

- Do. 19. Mai 2016 von 8:30 - 10:00 vor der Festhalle-Messe in der Ludwig-Erhard-Anlage 1 in Frankfurt/M.

und

- Do. 19. Mai 2016 von 11:00 - 12:00 Uhr vor den Doppeltürmen der Deutschen Bank Taunusanlage

(Am Luther-Apfelbäumchen wollen wir eine Andacht halten zum Thema. "Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist, und gebt Gott was Gottes ist" Mt. 22,21)

 

Weitere Informationen:

- Schwester Klarissa Watermann OP: Tel.: 069-66566311

- Gregor Böckermann: Tel.: 06102-34531

 

 

 

 

Demo gegen eine "kriminelle Vereinigung".

Die Deutsche Bank hat zur Zeit über 6000 Strafverfahren anhängig oder in Vorbereitung. Da muss man schon eine sehr kriminelle Vereinigung sein. Die "Ordens leute für den Frieden" zusammen mit den "Aschaffenburger Friedenstrommlern"protestierten und sammelten für die arme Bank am 7. April 2016 vor der Zentrale in Frankfurt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

05.04.2016

Antikapitalistische Ordensleute für Verbot von Briefkastenfirmen

 

Stetige Mahner

Christliche Kapitalismus-Kritiker sehen sich durch die Panama Papers in ihrem Protest bestätigt. Gregor Böckermann von "Ordensleute für den Frieden" protestiert monatlich seit 25 Jahren vor der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.

domradio.de: Was schreiben Sie sich denn an diesem Donnerstag auf die Plakate, wenn Sie sich wieder vor die Deutsche Bank stellen?

Gregor Böckermann von "Ordensleute für den Frieden": Gestern rief einer meiner Kollegen, der immer mit vor der Deutschen Bank steht, ganz aufgeregt an und fragte genau das:  "Müssen wir uns jetzt nicht neue Plakate machen?" Ich habe ihm geantwortet: "Wir stehen jetzt seit über 25 Jahren da, weil wir genau das kritisieren, was gerade wieder ans Licht gekommen ist. Im Grunde nichts Neues! Und deshalb brauchen wir keine neuen Transparente!"

domradio.de: Das heißt, das hat Sie gar nicht überrascht, was die "Panama Papers" da ans Licht befördert haben?

Böckermann: Nicht besonders, das muss ich ehrlich sagen. Warum sollte man über diese Enthüllungen besonders aufgeregt sein? Ich will nicht leugnen, dass die Enthüllungen eine enorme politische Sprengkraft haben. Aber solche politischen Sprengkräfte gibt es doch immer wieder, dass die Leute sich aufregen. 2007/2008 fragte man uns nach der Finanzkrise: "Habt ihr jetzt erreicht, was ihr wolltet – das Ende des Kapitalismus?" -  Oder wenn wir auf die Deutsche Bank schauen, die hat zurzeit 6.000 Strafprozesse am Hals. Da fragen die Leute wieder: "Habt ihr nicht erreicht, was ihr wollt?" Und jetzt sind eben die Panama-Papiere aufgetaucht… 

domradio.de: … die ja erst zum Teil wirklich erfasst sind. Noch arbeiten Hunderte internationale Journalisten weiter daran, das Material komplett auszuwerten. Würde es denn im Umkehrschluss etwas geben, das da noch herauskommen könnte, was Sie wirklich nicht erwartet hätten?

Böckermann: Also, wenn jetzt herauskommen würde, dass sich zum Beispiel die Terroristen von Brüssel oder Paris oder der so genannte Islamische Staat überhaupt  über solche Scheinfirmen finanzieren, dann würde ich sagen, dass das etwas Neues für mich ist. -  Ansonsten wissen wir aber schon lange, dass 5.800 Milliarden Euro in Steueroasen lagern, davon 4.700 Milliarden unversteuert. Es gibt nicht nur ein Steuerparadies in Panama. In den letzten Jahren haben wir viel mehr gehört von der Schweiz  und Liechtenstein, von Luxemburg oder Österreich. Heute erst habe ich im Zusammenhang mit den Panama Papieren in der "Frankfurter Rundschau"  gelesen, dass das größte Steuerparadies im kleinen US-Bundesstaat Delaware liegt, das scheint weltweit das beliebteste zu sein.                         

domradio.de: In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Nachrichten von Razzien gegen Steuersünder, von Abkommen mit als klassischen Steueroasen bekannten Ländern wie der Schweiz, Luxemburg oder Liechtenstein. Sehen Sie da auch Hoffnung, dass es doch in die richtige Richtung vorangeht?

Böckermann: Zum Beispiel sind ja in den letzten Jahren die Steuersünder-CDs aufgetaucht. Viele Deutsche haben inzwischen Steuern nachbezahlt und ich glaube, Herr Schäuble ist ganz froh darüber. Natürlich bin ich auch froh über solche Enthüllungen. Aber das reicht sicher nicht aus.

domradio.de: "Endlich Transparenz bei Geldgeschäften!" -  Das fordern aus gegebenem Anlass wieder viele. Die "Ordensleute für den Frieden" tun das schon seit über einem Vierteljahrhundert. Was sind denn Ihre wichtigsten konkreten Forderungen?

Böckermann: In dem Zusammenhang würden wir natürlich mit Sigmar Gabriel ein weltweites Verbot von Briefkastenfirmen fordern. Und seit Jahren fordern wir zusammen mit den Leuten vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac zum Beispiel eine Tobin-Steuer, eine kleine Spekulationssteuer auf Finanzspekulationen, auch wenn das nicht direkt etwas mit Steuerparadiesen zu tun. Auch das ist noch nicht gekommen, obwohl einige Staaten es immer wieder gefordert haben. Was könnte man mit so einer kleinen Spekulationssteuer nicht alles Gutes tun für die Armen hier in Deutschland oder auch weltweit! Aber wir stehen seit 25 Jahren da, um viel radikaler zu sagen: "Dieses kapitalistische Wirtschaftssystem muss in Frage gestellt werden! Solidarität vor Konkurrenz! Oder Leben in Fülle für alle statt Profit für wenige!" – Das sind unsere Forderungen!

 

Das Interview führte Uta Vorbrodt von domradio.

 

 

 

 

 

Anlässlich der Hauptversammlung der Deutschen Bank werden wir am 19. Mai 2016 von 8:30 - 10:00 Uhr vor der Festhalle-Messe in Frankfurt/Main demonstrieren unter dem Motto: "Nein zum Götzen Kapital" und "Diese Wirtschaft tötet" oder "Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist".

 

Von 11:00 - 12:00 Uhr wollen wir dann am Luther-Apfelbäumchen an der Zentrale der Deutschen Bank (Taunusanlage 12) einen Gottesdienst feiern unter dem Motto: "…und gebt Gott was Gottes ist".

 

Herzliche Einladung.  

 

 

 

 

Die Deutsche Bank - eine der kriminellsten Bank der Welt?

09.01.2015 Axel Troost

 

Kein großes deutsches Unternehmen hat über die letzten Jahre seinen Ruf mit Skandalgeschäften so nachhaltig ramponiert wie die Deutsche Bank. Das Motto des früheren Deutsche Bank-Chefs Ackermann „kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen“, würde heute nur noch mit Gelächter quittiert. Ob Handel mit Ramschhypotheken, betrügerische Karussellgeschäfte und Manipulation von Preisen und Börsengrößen – immer mischte die Deutsche Bank mit. Im Detail brachte auch die Journalistenrecherche Offshore-Leaks in vielen Facetten zutage, wo sich die Bank mal wieder zum Handlanger für Steuerflucht und -hinterziehung, Geldwäsche und andere anrüchige Aktivitäten machte.1 Bei ihren dubiosen Machenschaften kommt der Deutschen Bank ihre undurchsichtige Konzernstruktur zugute. Mehr als die Hälfte der Niederlassungen befindet sich in Schattenfinanzplätzen wie den Cayman Islands, dem US-Bundesstaat Delaware oder Luxemburg. Mit 768 Niederlassungen in Steueroasen ist die Deutsche Bank europäischer Rekordhalter (eine Untersuchung von Attac kommt sogar auf 1.064 Niederlassungen in Steueroasen).2, Durch die Komplexität, die Verschleierung und grenzüberschreitende Abwicklung der Geschäfte lassen sich Rechtsverstöße in diesem Geflecht nur sehr schwer nachweisen. Kein Wunder, dass die Missstände nur scheibchenweise ans Tageslicht kommen. Die bisherige Bilanz lässt sich aber jetzt schon sehen: Von 2010 bis 2014 wurde die Deutsche Bank zu Strafzahlungen von 8,2 Mrd. Euro verdonnert – der Gewinn im gleichen Zeitraum betrug 9,3 Mrd. Euro. Für die derzeit laufenden 6.000 Prozesse hat die Bank weitere 4,8 Mrd. Euro zurückgestellt. Vor diesem Hintergrund nannte ich in einer Rede im Bundestag die Deutsche Bank „eine der vielleicht kriminellsten Banken der Welt“.3 Ein Abgeordneter der CDU rief deswegen gleich die Bundestagspräsidentin auf den Plan, sein CSU-Kollege forderte meine Entschuldigung bei der Deutschen Bank. War ich also zu weit gegangen? Daher ist ein Faktencheck für die Deutsche Bank und ihre Konkurrenz angebracht. Der Jurist Wolfgang Hetzer ging in einem neuen Buch schon der Frage nach, ob die Deutsche Bank eine kriminelle Vereinigung sei.4 Wurde der investigative Journalist Werner Rügemer vor ein paar Jahren noch mit einem ähnlichen Buch über die Bank Sal. Oppenheim wegen nichtiger Details mit einer Flut von Verfahren überzogen wurde, scheint die Deutsche Bank solche wenig schmeichelhafte Schriften klaglos hinzunehmen. Aber das muss allein noch kein Eingeständnis sein, sondern ist wohl eher eine PR-Strategie, um die öffentliche Debatte nicht noch mehr zu befeuern. Was sind also die Vorwürfe?                                                              1 http://www.icij.org/offshore/deutsche-bank-helped-customers-maintain-hundreds-offshoreentities 2 http://www.sven-giegold.de/2013/europaische-hit-list-der-steueroasen-wo-und-wieeuropaische-grosunternehmen-steuern-umgehen/ sowie http://www.attac.de/uploads/media/Deutsche_Banken_in_Steueroasen_Tabelle_korrigiert_01. pdf 3 Rede zur 2./3. Lesung des Abwicklungsmechanismusgesetzes am 24.9.2015 http://www.linksfraktion.de/reden/bankenabgabe-milliardenschwere-nacherhebungsbeitraegegrossbanken-verfallen-2015-09-24/ 4 Wolfgang Hetzer: "Ist die Deutsche Bank eine kriminelle Vereinigung?", Westend Verlag, 2015 oder derselbe bereits früher http://www.axel-troost.de/article/8696.ist-die-deutsche-bank-einekriminelle-vereinigung.html 2 Eine Auswahl aus der Skandalchronik Handel mit US-Hypothekenramsch: Auf dem US-Häusermarkt fand die Finanzkrise bekanntlich ihren Ursprung: Schlechte Immobilienkredite wurden in bestimmten Finanzprodukten gebündelt und weiterverkauft – bis die Blase platzte. Die Deutsche Bank konnte vorher noch große Bestände bei der IKB Deutsche Industriebank abladen, die dann auf Kosten des Steuerzahlers gerettet wurde. Die beteiligten Banken nahmen es dabei mit seriöser Bankpraxis nicht sonderlich genau. Das holte die Deutsche Bank jedoch wieder ein. Für falsche Angaben beim Verkauf der Wertpapiere verurteilte die US-Justiz sie Ende 2013 zu einer Strafzahlung von umgerechnet 1,4 Mrd. Euro. Einige Verfahren laufen noch. Umsatzsteuerbetrug: Seit Jahren ermittelt die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegen die Deutsche Bank wegen betrügerischer Geschäfte mit CO2-Emissionszertifikaten. Die Verschmutzungsrechte wurden in Karussellgeschäften hin- und her gehandelt, damit sich die Händler von Finanzämtern die Umsatzsteuer rückerstatten lassen konnten, die jedoch tatsächlich nie gezahlt wurde. Die Staatsanwaltschaft spricht von „bandenmäßiger Steuerhinterziehung“. Inzwischen wurden acht an diesen Geschäften beteiligte Mitarbeiter der Bank angeklagt, gegen 15 weitere wird ermittelt. Ein von der Deutschen Bank bestellter Prüfbericht hatte bereits festgestellt, dass Alarmsignale bankintern systematisch missachtet wurden. Cum-Ex-Geschäfte: Mitarbeiter der Deutschen Bank waren offenbar auch an betrügerischen „Cum-ex-Transaktionen“ beteiligt. Dabei wurden Aktiengeschäfte um den Dividenden-Stichtag eingefädelt mit dem Ziel, die nie abgeführte Kapitalertragsteuer mehrfach geltend zu machen. Im Sommer 2015 gab es deswegen eine Razzia bei der Deutschen Bank, die Ermittlungen laufen. Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch US-Bürger: Erst kürzlich einigte sich die Deutsche Bank auf einen Vergleich mit der US-Justiz. Diese hatte der Schweizer Konzerntochter vorgeworfen, zwischen 2008 bis 2013 mehr als 1.000 US-Kunden betreut zu haben, die 8 Mrd. US-Dollar in der Schweiz angelegt hatten. Die Deutsche Bank richtete dafür Stiftungen in Liechtenstein ein und verheimlichte die Transaktionen mithilfe von banklagernder Post. Mit 31 Mio. Euro kam die Deutsche Bank vergleichsweise glimpflich davon – sie hatte zuletzt kooperiert, um die Strafe zu senken. Zinswetten: Die Deutsche Bank steht seit Jahren wegen „grob fehlerhafter Anlageberatung“ bei Zinswetten unter Beschuss. Sie hatte hunderte Kommunen und Mittelständlern hochkomplexe Zinsderivate angedreht, die damit viel Geld verloren hatten. 2011 hatte der Bundesgerichtshof die Deutsche Bank zu Schadenersatz an das Unternehmen Ille verpflichtet, was eine Prozesslawine in Gang brachte. Vor kurzem hat die Stadt Pforzheim eine weitere Klage angekündigt. Kirch-Gruppe: Der noch-amtierende Vorstandschef Jürgen Fitschen und vier ExVorstände müssen sich derzeit einem Verfahren wegen des Verdachts auf Prozessbetrug stellen. Der frühere Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer hatte in einem Interview 2002 die Kreditwürdigkeit des Medienkonzerns von Leo Kirch angezweifelt, der dann kurz darauf Pleite ging. Die Bank hatte sich Anfang 2014 mit den Kirch-Erben auf einen Schadenersatz von 925 Mio. Euro geeinigt. Nun heißt es, die Riege soll sich abgesprochen haben, um Strafzahlungen zu vermeiden. Manipulation des Libor / Euribor: Mitarbeiter der Deutschen Bank hatten über Jahre hinweg wichtige Referenzzinssätze wie den Libor und Euribor manipuliert und für profitable Geschäfte ausgeschlachtet. Ein Mitarbeiter der Bank soll damit im Jahr 2008 3 einen Bonus von 80 Mio. US-Dollar verdient haben. In einem Vergleich mit der US- und britischen Justiz hat die Deutsche Bank nun 2,5 Mrd. US-Dollar berappt – mehr als jede andere Bank. Die besonders hohe Strafe wurde mit dem unkooperativen und irreführenden Verhalten der Deutschen Bank begründet. Die EU-Kommission hatte die Deutsche Bank in dieser Frage bereits Ende 2013 zu einer Strafe von 725 Mio. Euro verdonnert. In Deutschland steht zudem eine Untersuchung der Finanzaufsicht Bafin kurz vor dem Abschluss. In den USA könnten zudem noch Sammelklagen drohen. Devisen-Skandal: Auch bei Währungsgeschäften sollen Händler der Deutschen Bank Kurse manipuliert haben. Anders als andere Banken, die bisher Strafen von insgesamt 10 Mrd. Euro auferlegt bekommen haben, ging die Deutsche Bank bisher straffrei aus. Das dürfte sich bald noch ändern: Die Deutsche Bank, zweitgrößter Devisenhändler der Welt, hat wegen der Affäre bereits einige Händler vom Dienst suspendiert. Edelmetalle / Isdafix: Seit einiger Zeit ermitteln Aufsichtsbehörden auch gegen die Deutsche Bank wegen des Verdachts auf illegale Preisabsprachen im Edelmetallhandel. Zudem ermitteln deutsche und US-amerikanische Behörden gegen die Bank wegen Manipulationen am Marktindex für Swap‐Geschäfte (Isdafix). Prinzlinge: Die Deutsche Bank soll Kinder hochrangiger chinesischer Politiker angestellt haben, um an Großaufträge zu kommen. Nun ermittelt die US-Finanzaufsicht. Vor den Untersuchungen soll das Asien-Team der Deutschen Bank aus rund 50 Leuten bestanden haben, anschließend nur noch aus 30 Mitarbeitern.5 Geldwäsche und Sanktionsverstöße: Seit einigen Monaten wird gegen die Deutsche Bank wegen des Verdachts auf Geldwäsche und den Verstoß gegen Finanzsanktionen ermittelt. Russische Kunden sollen über die Deutsche Bank Schwarzgeld im Wert von über 6 Mrd. US-Dollar gewaschen haben. Die Bank feuerte deswegen schon mehrere Mitarbeiter und will ihr Investmentbanking in Russland schließen, das laut FAZ mafiöse Strukturen aufweisen soll.6 Ähnlich gelagert sind ältere Verfahren zu Verstößen gegen US-Finanzsanktionen gegen den Iran. Eine Strafe von 9 Mrd. US-Dollar für die französische Bank BNP Paribas zeigt, dass die USA in solchen Fällen nicht zimperlich sind. Diese vielen Fällen sprechen für eine verlotterte Unternehmenskultur in etlichen Bereichen der Bank. Peinlich für die Deutsche Bank ist, dass etliche der aufgedeckten Fälle in der Zeit begangen wurde, als sie längst einen Kulturwandel ausgerufen hatte. Das gilt sowohl für die Manipulationen von Referenzzinssätzen und Devisen als auch für die verbotenen Russlandgeschäfte, die noch bis in das Frühjahr 2015 betrieben wurden. Zeugnis von den Zuständen im Innern der Bank gibt ein geheimer Zwischenbericht der Bafin zur Libor-Affäre, der vom Wall Street Journal veröffentlicht wurde.7 Die Bafin moniert darin eine Kultur des Wegsehens, in der nur Gewinne zählen und führt darin auch auf, wie Aufklärungen behindert wurden. Etlichen Topmanagern der Bank konnte zwar keine aktive Mittäterschaft attestiert werden, aber ein Verhalten, dass diese Praktiken, die intern mindestens seit 2008 vermutet wurden, begünstigt haben. Ähnliche Kritik hat-                                                              5 http://www.epochtimes.de/china/wirtschaft/deutsche-bank-verlangt-von-ihrem-chinesischenex-manager-4-mio-us-US-Dollar-entschaedigung-a1173857.html 6 Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Affäre zwingt Deutsche Bank zu Rückzug aus Russland“, 19.9.2015 7 http://www.wsj.com/articles/germany-blasts-deutsche-bank-executives-over-broken-culture- 1437068759 4 ten auch schon amerikanische und britische Aufseher gegen die Bank erhoben. Offenkundig handelt es sich bei den vielen Delikten nicht um das Tun von Einzeltätern, sondern um etwas, was Gerichte ein „System organisierter Unverantwortlichkeit“ nennen. Deutsche Bank – Erste unter Gleichen? Die Beispiele führen ein ansehnliches Arsenal an Energie und Kreativität vor Augen, das dem Bank-Slogan „Passion to Perform“ zur Ehre gereicht. Doch ähnliches lässt sich auch für andere Banken schreiben, deren Mitarbeiter nach der Krise weitermachten als wäre nichts gewesen. Die einzelnen Fälle geistern schon seit Jahren durch die Medien. Wie ist aber die „Leistung“ der Bank relativ zur Konkurrenz zu bewerten – ist die Bank Weltklasse, also eine der kriminellsten Banken der Welt? Zum Glück gibt es dazu schon Vorarbeiten. Eine detaillierte Untersuchung zu Strafzahlungen wurde im Rahmen des „Code of Conduct“-Projekts im Umfeld der London School of Economics an Banken der USA, Europa und einigen anderen westlichen Staaten (wie Australien und Israel) durchgeführt. Die Organisation hat in akribischer Recherche begonnen, seit der Finanzkrise Fünfjahreszeiträume in den Blick zu nehmen und Strafzahlungen und ähnliche Kosten systematisch zu erfassen. Neben bereits verhängten Strafen werden auch Rückstellungen betrachtet, die für laufende Verfahren gebildet wurden. Dem Sitz der Stiftung in London ist geschuldet, dass die Strafen in britisches Pfund umgerechnet wurden. Um die Leistung und kriminelle Energie zu messen, werden hier die Strafen noch in Bezug zur Größe, also zur Bilanzsumme gesetzt, denn es sollen nicht pauschal größere Organisationen benachteiligt werden. Auf alle Banken entfallen demnach im Fünfjahreszeitraum 2010 bis 2014 Strafzahlungen in Höhe von 150 Mrd. Pfund. Dazu kommen Rückstellungen von Ende 2014 in Höhe von 46 Mrd. Pfund. Die meisten Verstöße entfallen auf die Kategorien Offenlegungsfehler, betrügerische Verkäufe und fehlerhafte interne Kontrollen. Die Hitliste – sowohl in absoluten, als auch in relativen Zahlen – führt die Bank of America an, die im Zeitraum 2010 bis 2014 mit Strafzahlungen von 56 Mrd. Pfund doppelt so viel abtreten musste wie die zweitplatzierte, etwas größere Bank JP Morgan Chase. Grund für diesen Spitzenplatz war unter anderem eine Rekordstrafe von 16,7 Mrd. USDollar wegen Betrugs mit Ramschhypotheken. Auf den Plätzen Drei und Vier folgen die Banken Lloyds und Citigroup und auf Platz Fünf in absoluten Zahlen Barclays, relativ zur Bilanzsumme Goldman Sachs. Mit Strafzahlungen von 6 Mrd. Pfund (und Rückstellungen von 3,4 Mrd. Pfund) landet die Deutsche Bank für diesen Zeitraum auf Platz 10, sichert sich also noch einen Platz in der Top Ten. Eine Erklärung für die Spitzenplätze US-amerikanischer und britischer Banken ist leicht gefunden: zum einen sind die Finanzplätze in New York und London zum Inbegriff für das Zocken schlechthin geworden, zum anderen kennt das US-amerikanische und britische Rechtsystem anders als etwa das deutsche ein Unternehmensstrafrecht mit empfindlichen Geldstrafen. Da jede Bank mit globalen Anspruch – etwa auch die gro- ßen Banken aus Deutschland, Frankreich, Spanien und der Schweiz eben Niederlassungen in London und New York betreibt, wurden auch gegen diese dort Strafen verhängt. Doch ihre Vergehen auf den Heimatmärkten in Kontinentaleuropa werden vergleichsweise milde geahndet. Die Deutsche Bank kommt daher relativ zur US- und britischen Konkurrenz wohl noch in diesem Vergleich gut weg. Diese andere Umgangsweise mit Rechtsverstößen spiegelt sich auch in den Parlamenten wider. Der Kongress in Washington hat unermüdlich zahlreiche Vergehen in diver- 5 sen Ausschüssen aufgearbeitet (und zwar öffentlich). Die Finanzpolitiker des Deutsche Bundestags dagegen begnügte sich in punkto Verbrechensaufarbeitung mit einem Untersuchungsausschuss zur Hypo Real Estate8 , der gerade einmal ein halbes Jahr Zeit hatte. In der letzten Wahlperiode gab es dann ein neunzig-minütiges Fachgespräch zur Libor-Manipulation. Und werden einmal scharfe Worte gegen die größte Skandalbank auf deutschem Boden geführt, so hagelt es Empörung aus den Reihen der größ- ten Regierungsfraktion. Festzuhalten bleibt einstweilen, dass die Deutsche Bank aus den genannten Gründen mit der Spitzenliga der US- und britischen Banken schwer mithalten kann, dafür aber im absoluten und relativen Vergleich das größte Sündenregister der Banken der Eurozone beziehungsweise Bankenunion besitzt (vgl. Abbildung 1 im Anhang). Ein zweites Gutachten der US-Bank Morgan Stanley stützt diesen Befund. Sie kommt mit Zahlen über den Zeitraum 2009 bis Anfang 2014 zu ähnlichen Ergebnissen. Insgesamt fallen in diesem Zeitraum 220 Mrd. US-Dollar an Strafen und Rückstellungen an. Dazu kommen weitere erwartete Strafen in Höhe von 70 Mrd. Euro, die überproportional europäischen Banken drohen. Wieder wird die Rangliste von der Bank of America mit einem Strafmaß von 68 Mrd. US-Dollar angeführt, gefolgt von britischen und anderen US-amerikanischen Banken (vgl. Abbildung 2 im Anhang). Die Deutsche Bank liegt, wenn auch erwartete Strafen einbezogen werden, mit 13,7 Mrd. US-Dollar in absoluten Zahlen auf Rang 8 (knapp hinter der französischen BNP Paribas, die durch ihre 9 Mrd. US-Dollar-Buße wegen Embargo-Verstößen nach vorne katapultiert wurde), gemessen zur Größe landet sie wiederum als erste Bank der Eurozone auf Rang 10. Ist ein Spitzenplatz in der Top Ten und die Pole-Position in der Eurozone nun ein Grund, sich bei der Deutschen Bank zu entschuldigen? Ich denke nicht. Ein Nachklapp: Kulturwandel bei der Deutschen Bank? Zu guter letzt: Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat nach langer Zeit endlich die Reißleine gezogen und einen neuen Vorstandsvorsitzenden installiert, den Briten John Cryan. Allem Anschein räumt er auf, allerdings wohl weniger aus schlechtem Gewissen sondern aus streng kapitalistischen Motiven. Denn bei genauer Betrachtung waren die betrügerischen und verantwortungslosen Geschäfte für viele Beteiligte ein lukratives Geschäft, für das Unternehmen und seine Aktionäre aber miserabel. Laut Recherchen der ZEIT flossen in den letzten 15 Jahren geschätzte 40 bis 50 Mrd. Euro als Bonuszahlungen in die Taschen der Investmentbanker, während die Bank heute an der Börse viel weniger wert ist als vor zehn Jahren. Auch die Beteiligungen an den wichtigsten deutschen Industrieunternehmen seien verkauft worden, um die neuen Abenteuer zu finanzieren – für die ZEIT „ein Bankraub von innen“.9 Das Leitmotiv ist also weniger, nun aus der Bank ein gesellschaftlich vorbildliches Unternehmen zu machen, sondern es wieder für seine Eigentümer profitabel zu machen. Vor vorschnellem Applaus sollte man sich daher hüten, denn weniger Skandale und ein höherer Aktienkurs machen aus der Bank nicht automatisch ein gutes Unternehmen

 

"Brot für die Bank " - Protestaktion am 3. Dezember 2015 vor der Deutschen Bank in Frankfurt

 

Ordensleute für den Frieden
Pressemitteilung vom 04. Dezember 2015

* Deutsche Bank verzichtet auf 4 kg Geld

* Spende wird trotzdem auf der Jahreshauptversammlung 2016
 übergeben

 Unter dem Titel: „Brot für die Bank“ sammeln die
 Ordensleute für den Frieden seit Beginn des Münchener
 Prozesses gegen Fitschen, Ackermann, Breuer und zwei weitere
 Manager der Deutschen Bank.

 Jeder gespendete Cent ist gedacht als Protest gegen die
 vielfältigen "Machenschaften" der größten
 deutschen Bank. Denn es gibt wohl keine größere
 Manipulation oder Betrug in den letzten Jahrzehnten im
 Bankensektor an der nicht die Deutsche Bank, teils auch
 federführend, beteiligt war.

 Anders als zunächst geplant, hatten wir beschlossen (siehe
 PM vom 02.12.2015) unsere "Spende" nicht erst am
 Ende des Prozesses zu überreichen, sondern während unserer
 monatlichen Mahnwache im Dezember.

Mit Brief vom 8. November ist Herr Cryan freundlich gebeten
worden, die Spende persönlich in Empfang zu nehmen. Darauf
erhielten wir keine Reaktion!

Durch unsere Pressemitteilung vom 02.12.2015 wurde der
Hessische Rundfunk auf unsere Aktion aufmerksam und auf
deren Nachfrage bei der Deutschen Bank wurde die Annahme der „Spende“ zugesagt, allerdings nicht durch Herrn Cryan sondern durch einen Beauftragten.

Kurz vor der für 15:00 Uhr angekündigten Übergabe wurden
wir darüber informiert, dass die Deutsche Bank das Geld
nicht auf unserer Mahnwache entgegennehmen würde.
Allenfalls würde sich die Bank darauf einlassen, die
Übergabe im Innern der Bank durch zwei Abgesandte der
Mahnwache stattfinden zu lassen. Mithin würde die Deutsche
Bank auch keine Möglichkeit lassen diese Übergabe durch
die Anwesenden Medienvertreter dokumentieren zu lassen.

Aus diesem Grunde haben wir beschlossen diese „Spende“
publikumswirksam auf der Jahreshauptversammlung 2015 an

Herrn Cryan (so er denn dann noch der Chef ist) zu
übergeben. Wir hoffen auch, dass wir bis dahin insgesamt
6000 1-Cent-Münzen zusammenbekommen, gedacht als
 protest-symbolische Prozesskostenbeihilfe. Also für jeden

der aktuell ausstehen Prozesse 1 Cent.

Über mediale Beachtung würden wir uns sehr freuen.

Gregor Böckermann "Ordensleute für den Frieden"
Tel.: 06102-34531

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mahnwache und Kundgebung am 3. September 2015 vor den Symbol des gierigen Finanzkapitalismus, der Deutschen Bank in Frankfurt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hauptredner Prof. Dr. Segbers, alt-katholischer Theologe, mit seiner "Super"-Rede auf dem Jubiläumstreffen der "Ordensleute für den Frieden" anlässlich "25 Jahre Protest vor der Deutschen Bank in Frankfurt".

Gehalten am 10. Juni 2015 in Frankfurt.

 

„Diese Wirtschaft tötet.“

Zum Stand der Kapitalismuskritik der Kirchen in der Ökumene

Ordensleute für den Frieden - 25 Jahre / Frankfurt am 10.6.2015

 

Es ist eine große Ehre für mich, zum Jubiläum der Ordensleute für den Frieden sprechen zu können. Viele von Euch kennen den globalen Süden, wo die Armen die ersten Opfer dieser Wirtschaft sind, die tötet. Ihr kennt die Welt nicht aus der Perspektive der Bankentürme, nicht aus der Perspektive der holzgetäfelten bischöflichen Ordinariaten und Kirchenleitungen. Was Europa dem Süden getan hat, kommt jetzt auf Europa zurück. Ihr seid Botschafter, denn ihr habt die Zeichen der Zeit an der Wand gesehen und sie gelesen.

Wir versammeln uns hier im Schatten der Deutschen Bank, der Europäischen Zentralbank und zahlreicher Banken in direkter Nachbarschaft. Frankfurt ist ein Ort, von dem Tod und Vernichtung ausgeht. Doch dies nicht auf dem ersten Blick. Wer die verheerenden Folgen sehen will, der muss an die Ränder gehen – im Süden, aber auch hierzulande. Nach Jahrzehnten bleierner Lähmung kann man wieder den Papst zitieren: Ohne Umschweife beschreibt er immer wieder die Welt, in der wir leben und er tut dies von den Rändern her. Im Herbst des letzten Jahres hatte er Vertreter zahlreicher Basisbewegungen, Arbeiter- und Bauernorganisationen, Frauenbewegungen nach Rom eingeladen. Er saß eine Woche lang schweigend und zuhörend mit ihnen zusammen. Dann hat er in seinem Schlusswort gesagt: „Wir stecken mitten im dritten Weltkrieg, allerdings in einem Krieg in Raten. Es gibt Wirtschaftssysteme, die um überleben zu können, Krieg führen müssen. Also produzieren und verkaufen sie Waffen. So werden die Bilanzen jener Wirtschaftssysteme saniert, die den Menschen zu Füßen des Götzen Geld opfern.“ Gestern hatte Frau von der Leyen genau dies getan: Sie fordert 8 Mrd. Euro für neue effektivere Waffensysteme. Wie viel Not könnte man damit verhindern? Wie vielen Menschen eine Zukunftschance geben, statt sie auf eine ungewisse Flucht zu drängen. Franziskus fährt dann fort: „Man denkt weder an die hungernden Kinder in den Flüchtlingslagern, noch an die Zwangsumsiedlungen, weder an die zerstörten Wohnungen, noch an die im Keim erstickten Menschenleben. Wie viel Leid! Wie viel Zerstörung! Wie viel Schmerz! Heute, liebe Brüder und Schwestern, steigt in allen Teilen der Erde, in allen Völkern, in jedem Herzen und in den sozialen Bewegungen der Schrei nach Frieden auf: Nie wieder Krieg!“ …

 

Diese heutige Versammlung stimmt in diesen Schrei der Menschen ein: Nie wieder Krieg! Das Recht ströme wie Wasser und Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach! Frau von der Leyen: Die Welt braucht mehr Pflugscharen, keine Waffen.

Der November 2013 hat eine epochale kirchengeschichtliche Bedeutung. Warum? Anfang November 2013 versammelte sich die Ökumenische Vollversammlung der Kirchen von 350 Kirchen von den orthodoxen, evangelischen, anglikanischen und alt-katholischen Kirchen aus aller Welt in Busan / Südkorea zu ihrer Jubiläumsvollversammlung. In unmissverständlichen Worten hat die Versammlung über unsere Welt in der Missionserklärung gesagt: Wir leben in einem globalen vom Mammon bestimmten System, das durch endlose Ausbeutung allein das grenzenlose Wachstum des Reichtums der Reichen und Mächtigen schützt. Die unter uns versammelten Mitglieder von Missionsorden hören, wie der Ort beschrieben wird, dem die Freude des Evangeliums gilt. Dann heißt es im Aufruf der Kirchen aus Busan:

„Unsere ganze derzeitige globale Realität ist so voll von Tod und Zerstörung, dass wir keine nennenswerte Zukunft haben werden, wenn das vorherrschende Entwicklungsmodell nicht radikal umgewandelt wird und Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zur treibenden Kraft für die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Erde werden. Die Zeit läuft uns davon.“

Nicht anders das starke Wort des Papstes nur vierzehn Tage später, das die Runde macht und allenthalben zu vernehmen ist: „Diese Wirtschaft tötet.“ Ich weiß nicht, wann ich einmal ein Papstzitat auf einer Demonstration lesen könnte. Dieses Wort „Diese Wirtschaft tötet“ hat es geschafft, auf der großen Demonstration bei der Eröffnung der EZB von mehreren Teilnehmern auf Plakaten gezeigt zu werden.  …

 

Diese Wirtschaft tötet – tatsächlich, nicht nur metaphorisch. Einer solchen Wirtschaft schleudert der Papst ein vierfaches Nein entgegen: 

·          Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung

·          Nein zur neuen Vergötterung des Geldes

·          Nein zu einem Geld, das regiert, statt zu dienen

·          Nein zur sozialen Ungleichheit, die Gewalt hervorbringt

 

Auf einer Demonstration der Occupy Wallstreet Bewegung oder der Ordensleute für den Frieden mag man solche Slogans erwarten. Doch nicht in einem päpstlichen Schreiben. Ihr lieben Ordensleute für den Frieden: Ihr habt allen Grund stolz zu sein. Wenn Ihr Monat für Monat immer wieder donnerstags vor der Deutschen Bank steht, dann repräsentiert ihr die Mehrheitsmeinung der Kirchen – wenigstens in der Beschlusslage. Doch wichtiger noch: Ihr steht hier für die Mehrheit der Menschen….

Der epochale kirchengeschichtlich bedeutsame November 2013 zeigt erstmals eine klare Übereinstimmung aller Kirchen. Es gibt eine weltweite große Ökumene: Nein zum Kapitalismus. Er ist eine Zivilisation des Todes. Wer das Leben will, der muss den Kapitalismus überwinden. Diese Eindeutigkeit hat es bislang noch nicht gegeben. Auch wenn die Politiker hierzulande das Ende der Wirtschaftskrise ausrufen, wir wissen, die Krise ist erst vorüber, wenn die Armut beseitigt ist, wenn Menschen wieder Arbeit haben und dies zu Löhnen, von denen sie in Würde leben können. …

Eine Studie des Kinderhilfswerk der UNO hat aufgezeigt, welche Folgen die Finanzkrise für die Schwächten, die Kinder, hat: Die Zahl armer Kinder ist durch die Finanzkrise um 2,6 Millionen gestiegen. Besonders stark in Südeuropa. Die Studie beklagt, dass die Absicherung von Kindern in der Krisenpolitik der Industriestaaten keine Priorität habe. Der ganze Fortschritt, der in den letzten 50 Jahren auf dem Gebiet der Bildung, Gesundheit und der sozialen Absicherung gemacht wurde, ist nun bedroht – so das Resümee der Studie.

Das war politisch gewollt: Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, hatte in einem Interview mit dem Wallstreet Journal im Jahr 2013 unmissverständlich angekündigt, dass das Sozialsystem in Europa ausgedient habe, oberstes Ziel sei die Wiederherstellung des Vertrauens in die Finanzmärkte. …

Der Sparkurs, den Europa den Ländern des Südens aufgenötigt hatte, wird nun zum Staatsziel in Europa. Schäuble lässt nicht locker, auch wenn Griechenland in eine humanitäre Katastrophe geraten ist und Hunger und Not herrschen: Schulden müssen bezahlt werden! Verträge müssen eingehalten werden. Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz muss er sterben, so die Anklage damals gegen Jesus kurz vor der Kreuzigung durch Soldateska des Römischen Imperiums. …

 

Der Kapitalismus ist ein System struktureller Habgier. Wir leben in einem solchen System der Habgier. Doch dieses System infiziert uns auch selber mit einem exzessiven Konsum gepaart mit Gleichgültigkeit für die Armen. Der Wiener Soziologe Ulrich Brand nennt das eine „imperiale Lebensweise“. Damit meint er nicht einfach einen Lebensstil, sondern pezifische Produktions-, Verteilungs- und Konsummuster, die tief in Alltagsleben gerade der Ober- und Mittelklassen eingelassen sind. Dieser Lebensstil wird weltweit propagiert. Coca Cola, C&A, Primark und H&M gibt es in Frankfurt, Sao Paulo, Peking und Manila. Diese imperiale Lebensweise basiert darauf, billige Arbeitskraft auszubeuten und sich fremde Ressourcen anzueignen, um einen exzessiven Konsum hierzulande aufrechterhalten zu können. Primark ist so billig, weil die Arbeiterinnen in Bangladesch den wahren Preis zahlen. …

 

Papst Franziskus nähert sich der Wirklichkeit nicht mit Analysen, Zahlen und Statistiken. Er spricht aus der Perspektive der direkten Erfahrung geradezu prophetisch.

 „53. Ebenso wie das Gebot ‚du sollst nicht töten‘ eine deutliche Grenze setzt, um den Wert des menschlichen Lebens zu sichern, müssen wir heute ein „Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen‘ sagen. Diese Wirtschaft tötet. Es ist unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte in der Börse Schlagzeilen macht. Das ist Ausschließung. …

Kapitalismus funktioniert so, dass mit immer weniger Menschen immer mehr Reichtum geschaffen werden kann – der Rest wird zum Müll und Abfall. Wortwörtlich in den armen Ländern des Südens. Hartz IV heißt das bei uns! Deshalb muss unsere Solidarität den streikenden Briefträgern gelten, die sich dagegen wehren, in billigere Tochtergesellschaften ausgelagert zu werden, zu schlechteren Löhnen und Sozialleistungen. Die Opfer des Kapitalismus sind das Wahrheitskriterium. …

 

Den Kirchen ist klar - Caritas und Tafeln reichen hier nicht weiter, auch wenn diese Barmherzigkeit gern gesehen wird. Die strukturellen Ursachen müssen von der Wurzel bekämpft werden. Worin bestehen die Ursachen? Dazu sagt der Papst:

 

„Solange die Probleme der Armen nicht von der Wurzel her gelöst werden, indem man auf die absolute Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation verzichtet und die strukturellen Ursachen der Ungleichverteilung der Einkünfte in Angriff nimmt, werden sich die Probleme der Welt nicht lösen“ …

 

Zusammenfassend kann man feststellen, dass es einen großen Ökumenischen Konsens gibt: Die Kirchen haben folgende gemeinsame Einsichten:

·          das Weltwirtschaftssystem ist für die Erde und die sie bewohnen tödlich;

·          Kapitalismus ist Götzendienst. Mammon wird verehrt und ihm werden Opfer gebracht;

·          Kirche-sein heißt: Widerstand zu leisten gegen die Verehrung des tödlichen Geld-Gott, den Mammon.

 

 

25 Jahre Protest vor der Deutschen Bank in Frankfurt gegen den mörderischen Finanzkapitalismus am 11. Juni 2015

Ein Lob auf die wunderbaren Frauen und Männer der "Ordensleute für den Frieden"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Vierteljahrhundert - Ziviler Ungehorsam

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Ordensleute für den Frieden" feiern Jubiläum

Seit 25 Jahren kämpfen sie gegen den Kapitalismus.

Ein Rückblick mit Ausblick und Einladung an alle.

 

 

Seit 25 Jahren halten die "Ordensleute für den Frieden" (ein kleiner

Zusammenschluss von katholischen Ordensleuten, inzwischen aber auch

evangelische Christen und Nichtchristen) regelmäßig jeden ersten

Donnerstag im Monat Mahnwache vor der Zentrale der Deutschen Bank in

Frankfurt/Main.

1990 ging es uns um "Schuldenstreichung für die 3. Welt". Als wir dann

aber merkten, dass in Frankfurt die Armen und Obdachlosen immer mehr

an den Rand gedrängt wurden, haben wir uns sehr schnell mit "unserem

Wirtschaftssystem" auseinandergesetzt. Weiterbildungen u.a. über

unsere Geldordnung und das Zinsnehmen haben uns zu der Erkenntnis

gebracht, dass im Kapitalismus einige Wenige sich immer mehr

bereichern auf Kosten von Vielen: Damit geht die Schere zwischen Arm

und Reich weiter auf. Der Kapitalismus ist zum Scheitern verurteilt,

denn er braucht ständiges Wachstum, das auf Kosten unseres Planeten

Erde geht.

"Der Kapitalismus geht über Leichen" ist heute unsere Botschaft.

Dieses Unrechtssystem kann nicht reformiert werden, es gehört

abgeschafft. Das System zu kippen erreichen wir aber nicht nur durch

Mahnwachen, Flugblätter oder fromme Predigten. Deshalb haben wir uns

mit Aktionen zivilen Ungehorsams langsam und mit viel Zögern und

Zaudern in den Widerstand "eingeübt". Nach Sitzblockaden und Sit-­ins

planten wir auch öffentlichkeitswirksame Aktionen:

· So haben wir 1998 zwanzig Liter Gülle vor die Deutsche Bank

gekippt, um deutlich zu machen: Geld stinkt, wenn es sich immer mehr

in den Händen einiger Weniger ansammelt. Daraufhin bekamen wir eine

Anzeige wegen "falscher Müllentsorgung".

· Bei den Quandts in Bad Homburg haben wir 2005 ein Stück Rasen

ausgestochen, das wir der Oberbürgermeisterin übergeben haben mit der

Botschaft: Wenn den Armen geholfen werden soll, müssen die

Superreichen zur Kasse gebeten werden. Eine Anzeige wegen

Sachbeschädigung wurde niedergeschlagen.

· Außerdem hat es einige Jahre gedauert bis wir auch die

Kirchen in unsere Kritik mit einbezogen haben. So saßen wir 1999 zwei

Stunden lang im Kölner Dom auf einem Riesentransparent mit der

Botschaft: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon"

(Mt. 6,24).

Wir sind der festen Überzeugung, dass der Kapitalismus mit dem

christlichen Glauben unvereinbar ist. Jesus wollte ein "Leben in

Fülle" für alle Menschen. Und wenn wir sagen, wir stehen in seiner

Nachfolge, dann müssen wir, wie er, dezidiert Partei ergreifen für die

Schwachen und Unterdrückten. Heute sind wir dankbar für Attac,

Blockupy und andere weltweite Bewegungen, die den Kapitalismus

Kapitalismus nennen. Wir mussten vor 25 Jahren – kurz nach der Wende – noch verschämt von

„unserem Wirtschaftssystem“ reden.

 

Autor: Gregor Böckermann

 

Einladung zu Feier und Protest

 

Im Jahre 2015 begeht die "Initiative Ordensleute für den Frieden" (IOF) das 25-­jährige Jubiläum ihrer

monatlichen Mahnwachen vor der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt/Main.

Das wollen wir -­ mit möglichst vielen FreundInnen und MitstreiterInnen -­ würdig begehen.

Hier der neueste Stand unserer Planungen:

 

1) Rückblick und Feier

 

Wann: Mittwoch, den 10. Juni 2015 von 16:00 -­ 20:00 Uhr

Wo: St. Katharinengemeinde Leerbachstr. 18 60322 Frankfurt/M. (hinter der Alten Oper)

Nach Kaffee und Kuchen gibt es

 

a) Vortrag von Prof. Ulrich Duchrow über den Krieg der Reichen gegen die Armen

b) "Warum nehme ich an den Mahnwachen teil?": kurze Zeugnisse von TeilnehmerInnen

c) "Aus der Höhle der Löwen": Bericht von Christoph Rinneberg als Kritischer Aktionär bei der

Hauptversammlung der Deutschen Bank

 

2) Ausblick und Protest

Wann: Donnerstag, den 11. Juni 2015 von 11:55 -­ 16:00 Uhr

Wo: Deutsche Bank Taunusanlage Frankfurt

 

a) Aufbau einer Slumhütte ( "stärker als die gläsernen Türme der Bankenstadt Frankfurt" -­ Günther

Grass)

b) Sitzblockade vor den Drehtüren der Deutschen Bank

c) Weitere Aktionen, Protestlieder,…wären hier sehr erwünscht.

 

 

 

Protestaktion vor der Deutschen Bank in Frankfurt - Taunusanlage

Die "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel" protestiert gemeinsam mit der "Initiative Ordensleute für den Frieden" und den Aschaffenburger Friedenstrommlern am Donnerstag, den 4. Sptember 2014 von 13 - 16 Uhr

gegen Rüstungsfinanzierung durch deutsche Banken.

Herzliche Einladung!

 

Brandrede von Christoph Rinneberg (IOS) am 22.05.2014 auf der Hauptversammlung der Deutschenbank in Frankfurt

 

 

 

 

Sehr geehrte Gastgeber, sehr geehrte Gäste dieser Hauptversammlung,
 

Sie sind heute Morgen, sofern Sie über den Haupteingang in diese Festhallen-Versammlung
gelangt sind, über Plakate mit einer harten Botschaft begrüßt worden: "Diese Wirtschaft tötet".
Dies hat kein Geringerer gesagt als Papst Franziskus, in seinem ersten Apostolischen Schreiben
vom 24. November 2013. Ich spreche hier für die "Initiative Ordensleute für den Frieden"
(IOF), die seit fast einem Vierteljahrhundert allmonatlich vor der Zentrale der Deutschen Bank
Mahnwache gegen das herrschende Wirtschafts- und Finanzsystem hält. Vielleicht erinnern sich
einige von Ihnen an unsere rund 20 Jahre alte Aussage: "Unser Wirtschaftssystem geht über
Leichen". Franziskus bringt es deutlicher auf den Punkt: Es ist die Wirtschaft, die tötet. Wer
Glück gehabt hat, den IOF-Flyer zu bekommen und Mut, ihn mitzunehmen, findet darin weitere
Aussagen über uns und unsere Aktivitäten und kann diese – wie auch immer – verfolgen.  
 
War die Deutsche Bank für die IOF zuvor "nur" ein Symbol des vom Kapital beherrschten Wirt-
schaftssystems, so sind wir längst zu der Überzeugung gekommen, dass sie als eine der weltweit
stärksten Großbanken Teil des Kopfes dieses Systems ist: "Kapital" kommt bekanntlich aus dem
Lateinischen und heißt Kopf. Was dieser "Kopf" fertigbringt, ist zynisch für die, die darunter
leiden und sollte erschütternd sein für die, die noch glauben, auf der richtigen Seite zu stehen:
Zynisch ist es,
" dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben,
erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte an der Börse Schlagzeilen macht",  
wie es Franziskus am Beispiel eines einzelnen Menschen gesagt hat, der für rund 100.000 Men-
schen dieser Welt steht, die täglich Hungers sterben. Alle 5 sek. verhungert ein Kind in dieser
Welt, nein, es wird ermordet, wie Jean Ziegler es beim Namen nennt. Denn es gäbe in dieser
Welt genügend Nahrung für alle, wenn das Geld nicht bei ganz wenigen hochkonzentriert wäre.
 
Erschüttern muss doch wohl jeden Demokraten die Tatsache, dass die Macht der Konzerne seit
langem dabei ist, der Politik und damit uns Demokraten die Macht aus den Händen zu nehmen.
Deutlich wird das u.a. an den verzweifelten Versuchen der EU-Politiker, durch wirksame Regu-
lierung gewissermaßen die Hunde wieder an die Kette zu legen, die sie freilich zuvor deregulie-
rend losgelassen haben. Die Politik hat also, getrieben durch die Großbanken – die stärkste Lob-
bygruppe – die Macht der Konzerne auf Kosten der Bürger gestärkt, wie bei der Bankenrettung.
 
Erschüttern muss wohl die meisten der hier Anwesenden auch unseres Bundespräsidenten Aus-
sage in der "heute-show" vom 14.04.2014:
"Es ist gut, dass die Menschen das Bank- und Geldsystem nicht verstehen, sonst hätten wir
eine Revolution noch morgen früh."
Unverständnis wird bei Ihnen vorherrschen, den Inhabern der Bank: 2013 ist der Bonuspool mit
rund 3 Mrd. € rund dreimal so hoch wie der Nettogewinn gewesen, der Ihnen gerade mal 75
Ct/Aktie gönnt. Etwas landwirtschaftlich-derbe ausgedrückt: "Man soll dem Ochsen, der da
drischt, nicht das Maul verbinden." Aber der soll doch nicht das Allermeiste selbst fressen!
Trotzdem wollen Sie, Herr Jain und Herr Fitschen, die EU-Grenze für die Boni aushebeln und
glatt verdoppeln: Das ginge nur mit Ihnen, sehr geehrte Anteilseigner der Deutschen Bank!
 
Ich möchte das mit der krassen Schieflage des Salärs noch etwas deutlicher machen: Sie, Herr
Jain und Sie, Herr Fitschen, haben im vergangenen Jahr jew. rund 7,5 Mio € erhalten. Rechnet
man das behutsam auf den Stundenlohn um, dann kommt man auf rund 4.250 €. Das ist das rund
500-fache dessen, worum seit Jahren rund 500 Parlamentarier ringen, nämlich um einen Min-
destlohn von 8,50 €/Stunde. Kann sich bei dieser Relation Arbeit und Leistung noch lohnen?  
 
Aus der einstigen, sozial gezähmten Marktwirtschaft ist längst eine Machtwirtschaft geworden.
Weil die Deutsche Bank aller bisherigen Erfahrung nach nicht der Getriebene ist sondern zu den
stärksten Treibern gehört, könnten Ihren Kulturwandel evtl. folgende Orientierungen beflügeln:
Klaus Schwabe zufolge, dem Gründer des Weltwirtschaftsforum in Davos, passt das kapitalisti-
sche System nicht mehr in diese Welt.
Max Weber, der vielleicht letzte Universalgelehrte, hat  schon vor rund 100 Jahren gewusst:
Wirtschaft braucht Moral, schrankenlose Erwerbsgier ist nicht identisch mit Kapitalismus.
Sahra Wagenknecht sagt in ihrer Würdigung des Erhardt'schen Marktverständnisses: Je steiler
das Wohlstandsgefälle, desto bedrohter ist die moralische Grundlage des Kapitalismus.
Möglicherweise haben diese drei Aussagen Sie, Herr Fitschen, zu der erstaunlichen, im Han-
delsblatt 32/2014 dokumentierten Einsicht gebracht: "Wir haben's extrem übertrieben" –
indem Ihre Bank die Renditeziele über alles gestellt hat. Wider besseres Wissen, wie Thomas
Piketty belegt hat: Wenn die Kapitalrendite die Wachstumsrate übersteigt, frisst das Kapital die
Zukunft auf. Ihr bisheriges Wirken, Herr Fitschen, lässt mich da nicht gerade hoffen:  
In Shanghai ist kürzlich eine Freihandelszone geschaffen worden, die zur Nutzung stark gelo-
ckerter Regelungen reizt. Ihre heutigen Investmentbanker mit Verantwortung sind doch i.W.
dieselben, die einst im Sinne Ihrer Bank in fragwürdigsten Transaktionen der Krise den Irrweg
geebnet haben. Nun scheinen sich in Shanghai diese Möglichkeiten wieder zu bieten – soll das
Spiel wieder von vorne beginnen? "Zocken hat Zukunft", so die ZEIT im Januar dieses Jahres.  
 
Die Deutsche Bank hat in der nun 7-jährigen Krise gelernt, wie man aus der Krise mit Gewinn
herauskommen kann: Durch die mehrfach begründete Erwartung, dass die Staaten bei einer neu-
en Finanzkrise wieder rettend einspringen, strahlen die Großbanken geradezu vor Selbstsicher-
heit und Bonität, bekommen günstigere Konditionen bei der Kapitalbeschaffung und gelangen
so implizit zu Subventionen. Eine für das EU-Parlament erstellte Studie beziffert diese Gewinne
für die Krisenjahre 2008 bis 2012 auf 1,33 Billionen €! Eine natürlich überfällige Strukturre-
form, entworfen im sog. Likanen-Bericht, wurde durch einige Mitgliedstaaten, v.a. durch inten-
sivste Arbeit der Banken-Lobby verwässert. Wie konnte das gelingen? Ein Bild mag helfen:
Die Großbanken – freilich mit der Deutschen Bank vorneweg – stellen ein Archipel mit vielen
kleinen Inseln dar, die unter der Oberfläche miteinander verbunden sind. Daher haben bisher die
Banken gewonnen und die Regulierer verloren. Das ist die schöne Fassade der Deutschen Bank
– im Innern muss es ganz anders aussehen, wenn man einen Blick auf die Skandal-Chronik
wirft: Über 2 Mrd. € haben Sie für gerichtlich angeordnete Strafen und außergerichtliche Ver-
gleiche ausgegeben, über 2 Mrd. € haben Sie in die Rücklage für zu erwartende Schäden ge-
stellt. Mit welcher Identifikation werden da Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter morgens in Ihre
Bank kommen, mit welchem Gefühl werden sie sich abends wieder daheim blicken lassen?
 
Der Vater vom Drogerie-Deichmann mag meinen Redebeitrag beenden: "Das Unternehmen
muss einen tieferen Sinn haben und darf nicht nur finanzielle Zwecke verfolgen."
Vielleicht ist es die noch nicht ganz beantwortete Sinnfrage, der sich Ihre Bank stellen sollte.  
Könnte da der Jainismus, Herr Jain, Ihre jegliche Gewalt ablehnende Religion, hilfreich sein?
 
Den Vorstand bitte ich auch um die Beantwortung der weiteren Fragen:
1. Hat Ihre gefeuerte USA-Devisenhändlerin Ihren Kodex zu gut oder zu schlecht befolgt?
2. Werden Sie in Shanghai in realwirtschaftlich ungebundene Transaktionen einsteigen?
3. Ist Ihr interner Bericht über die Libor-Manipulation extern geprüft worden?
4. Wann werden Sie sich Projekten verweigern, die der Rodung von Regenwald dienen sollen?
5. Warum sichern Sie einem Familienclan in Malaysia zu Unrecht erworbenes Vermögen ab?
6. Wann werden Sie endlich Ihre Studie zur Nahrungsmittelspekulation veröffentlichen?
7. Gibt es im Aufsichtsrat Fortschritte durch die alphabetische Aufstellung der Mitglieder?




Stellungnahme der "Ordensleute für den Frieden"

Flyer 14.04.2014

 

 

 

Diese Wirtschaft tötet
 
Daher Nein zu  
– einer Wirtschaft der Ausschließung,
– einer Vergötzung des Geldes,
– einem Geld, das regiert statt zu dienen,
– einer sozialen Ungleichheit,
  die Gewalt hervorzubringen droht.
 
IOF – Initiative
Ordensleute für den Frieden

 

Wer wir sind
Die "Initiative Ordensleute für den Frieden"
(IOF) ist ein freier Zusammenschluss von
Ordensleuten und ihrem Freundeskreis. Aus-
gelöst durch den "Nato-Doppelbeschluß"
(1979) haben wir jahrelang vor der Cruise-
Missiles-Basis in Hasselbach/Hunsrück
Mahnwachen gehalten.  
 
Weltweite Kontakte unserer Ordensgemein-
schaften mit dem Armen in der ganzen Welt
haben unsere Aufmerksamkeit verstärkt auf
die Ursachen für Produktion und Einsatz der
Waffen gelenkt. Daher richten sich während
unserer jährlichen Pfingstkapitel seit 1990
unsere Aktionen zivilen Ungehorsams an die
Wirtschaft, die Politik, die Kirche und an de-
ren Zusammenwirken. Lediglich "politisch
korrekte" Empörung bleibt wirkungslos und
spottet der Nöte der Menschen.
 
Ohne Gerechtigkeit kann Frieden auf dieser
Welt nicht gedeihen, und Gerechtigkeit kann
nur gegen die von Ungerechtigkeit Profitie-
renden durchgesetzt werden. So stehen wir
seit 1990 auch jeden 1. Donnerstag im Monat
vor der Zentrale der Deutschen Bank in
Frankfurt/M, der größten Geschäftsbank des
Landes, einer der stärksten Stützen des kapi-
talistischen Wirtschaftssystems.  
 
Gregor Böckermann (V.i.S.d.P.),  
63263 Neu-Isenburg, Am Trieb 39
Klarissa Watermann OP (V.i.S.d.P.),
60385 Frankfurt/M, Berger Straße 365
www.facebook.com/Ordensleute - 12.04.14/CR

 

Welche Befunde zugrundeliegen
Das Ergebnis des G-20-Treffens (2009) lautete:  
1. Obama übernimmt für sein Land, in dem
   die Krise begonnen hat, die Verantwortung.
2. Brown sagt für Großbritannien zu, "bei den
    Banken aufzuräumen".
3. Merkel verspricht für Deutschland, das
    "Monster zu bändigen".
Doch: Die Amerikaner müssen's nicht, die
Briten wollen's nicht, die Deutschen können's
nicht. Die einst favorisierte Deregulierung hat
der Politik Wirkungslosigkeit und dem Groß-
kapital das Heft des Handelns "beschert".
(s. März-Magazin 2014 der Süddeutschen)
 
Wirtschaft braucht Moral, wie das Handels-
blatt (27/2014) zu Recht eine Forderung Max
Webers (um 1900) zitiert. Die Wirklichkeit
sieht total anders aus: Ein mittleres Manager-
Millionen-Gehalt entspricht einem Stunden-
lohn von rund € 4.000 – das Parlament der
Republik ringt um 1/470, nämlich einen Min-
destlohn von € 8,50/Stunde.
 
Neben dieser un-heimlichen Ungerechtigkeit
wirkt eine heimliche: Was alleine die reichs-
ten 10% unserer Bevölkerung durch Kapital-
einkommen (€ 183 Mrd.) mehr erhalten als sie
durch ihren Konsum an Zinsen und Gewinnen
abführen, wird den ärmeren 70% weggenom-
men (Basis Volkseinkommen 2010).
(s. Gahrmann, "Wir arbeiten und nicht das Geld")
 
All das geschieht bei galoppierender digitaler
Revolution – die Chiffre für Rationalisierung,
die auch geistige Arbeit zu entwerten droht. 

 

Warum Initiative angesagt ist
In unserer Gesellschaft werden die Reichen
immer reicher und die Armen immer ärmer
und zahlreicher. In Frankfurt und überall in
Deutschland herrschen übertriebener Luxus
auf der einen, anhaltend hohe Arbeitslosigkeit
und Sozialabbau auf der anderen Seite: In
Deutschland gibt es rund 17.000 Einkom-
mensmillionäre, offiziell rund 3 Millionen
Arbeitslose und zusätzlich 4 Millionen Men-
schen, die auf Hartz-IV angewiesen sind.  
 
Was sich in Deutschland abspielt, geschieht
auch weltweit: Die Einkommen zwischen den
reichen und armen Nationen klaffen immer
weiter auseinander: Ausbeuterische Arbeits-
verhältnisse, Arbeitslosigkeit, Hunger, Um-
weltzerstörung, Kriege, Flüchtlingsströme
nehmen ebenso zu wie Schäden des Klimas.
Die Ursachen dieser Entwicklung liegen im
kapitalistischen Wirtschaftssystem: Durch
Verselbständigung und Globalisierung ist es
noch mächtiger geworden als je zuvor.  
 
2009 strebte die bisher größte Wirtschaftskri-
se dieses Jahrhunderts ihrem Höhepunkt zu.
Die G20 vereinbarten auf ihrem als "entschei-
dendst" gepriesenen Gipfel in London Maß-
nahmen, um die Wirtschaft und die Banken
als die Krisen-Verursacher zu retten: Banken
und Hedgefonds sollten streng beaufsichtigt,
den Banker-Boni-Millionen Grenzen gesetzt,
ein weltweites Frühwarnsystem eingerichtet
werden. Doch die Krise wirkt fort, weil das
Kapital entscheidet und nicht die Politik im
Sinne des Gemeinwohls.  

Was Papst Franziskus feststellt
Mit Bedacht haben wir eine der zentralen
Aussagen aus "Evangelii Gaudium" über-
nommen, dem ersten Apostolischen Schreiben
von Papst Franziskus (24.11.2013):
"Diese Wirtschaft tötet"
In den letzten zwei Jahrzehnten hat die IOF
auf Plakaten und großen Tüchern festgestellt:
Unser Wirtschaftssystem geht über Leichen
Diese Aussage – einem Künstler verdanken
wir die umstehende Illustration – erfährt
durch die Formulierung von Papst Franziskus
eine Präzisierung und Zuspitzung. Denn die
Leichen liegen nicht einfach da: Unser kapita-
listisches Wirtschaftssystem hat zuvor dafür
"gesorgt", wobei sich das System und die Ak-
teure unkenntlich zu machen verstehen.  
Dorothee Sölle leitete anlässlich des Ev. Kir-
chentags 2001 in Frankfurt ihre Rede vor der
Deutschen Bank mit den Worten ein:  
Mammon kills more little children than Mars  
Es sind jedoch nicht Götzen wie Mars und
Mammon, die töten, sondern Menschen, die
ihnen dienen. Dies hat vor ein paar Jahren
Jean Ziegler, UN-Sonderbeauftragter für das
Recht auf Nahrung, deutlichst klargestellt:
Ermordet wird ein Kind, das heute verhungert
Wenn die Reichen die Überfülle ihrer Güter
nicht mit den Armen teilen, bestehlen sie sie
und entziehen ihnen Lebenschancen: Die so-
ziale Ungleichheit muss letztlich gewaltsame
Reaktionen der Ausgeschlossen auslösen. 

 

Welche Forderungen zu stellen sind

Aus dem vierfachen Nein zur herrschenden
Wirtschaftsweise ergibt sich – in Anlehnung
an Papst Franziskus – ein vierfaches JA zur
+  uneigennützigen Solidarität und zum  
    Teilen der Güter mit den Armen,
+  ökonomischen Praxis einer nicht-ideologi-
sierten Ethik zugunsten des Menschen,
+  vollen Verwirklichung des Menschen in
menschlicher Gesellschaftsordnung und
+  Freiheit von jeglicher Unterjochung der
Menschen und ihrer Würde.
 
Die erkennbare Wahrheit gilt es klar beim
Namen zu nennen: Aus unserer einst geprie-
senen sozialen Marktwirtschaft wurde "dank"
Globalisierung und Neokapitalismus eine
Machtwirtschaft, die nur dadurch dominant
werden konnte, dass unsere Regierungen die-
se Macht auf Kosten der Bürger durch Dere-
gulierung gestärkt und über die sog. Banken-
rettung wieder verfestigt haben.
 
Fünf Jahre nach Beginn der großen Krise ist
klar: Die globalisierten Großbanken sind wie
ein Archipel mit vielen kleinen Inseln, unter
der Oberfläche unsichtbar miteinander ver-
bunden. So haben die Großbanken, diese
stärkste aller Lobbies, fast alles unter ihrer
Kontrolle und "lassen" die Regulierer verlie-
ren. Nach dem gescheiterten MAI-Abkom-
men rüsten nun die Herren dieser Welt unter
dem Kürzel TTIP (Freihandelsabkommen)
zum Totalangriff gegen die Demokratie. 

 

Widerstand tut bitter Not!

 

www.facebook.com/ordensleute